Mein erster „Ironman“

Medaille DM Kulmbach 1998
01.: Ironmönch Kulmbach, Int. Deutsche Meisterschaft Ultratriathlon 9:14:01h
Meine erste Langdistanz in meiner 1. Saison, eine sehr schöne Sache. Danach schwebte ich 7 Wochen durchs Leben, alles lief wie geplant.
Doch der Reihe nach: Meine ersten beiden Triathlons mit Lizenz waren die Mitteldistanzen in Trier und in Münster und die hatte ich trotz noch dramatischer Laufschwäche anständig in 4:18h und 4:19h überstanden.
Euro-Mosel-Cup Trier 1998
Euro-Mosel-Cup Trier 1998 Programmheft
Mittel Trier 1998 Männer Top 25
Mittel Trier 1998 Männer Top 25
Dennoch war das zu wenig, um schon im 1. Anlauf mein erklärtes Ziel, den Ironman unter 9h, zu erreichen. Deshalb antwortete ich auch auf die Frage eines Ausdauerroutiniers in der Sportklinik, in der ich damals ein Praktikum absolvierte, auf die Fragen „Weißt Du überhaupt, auf was Du Dich da eingelassen hast? Welche Zeit hast Du denn vor?“: „Ja, zwischen 9:15 und 9:30h.“
Gut, er war immer sehr höflich, aber natürlich hielt er mich daraufhin für einen Idiot, dabei hatte ich, glaub‘ ich, nicht erwähnt, dass ich schon einen Platten eingeplant hatte.
787km auf dem Rad, 50km Laufen und nur 1km Schwimmen in der Vorwoche, es war noch die klassische Vorbereitung!
Ironmönch Kulmbach 1998
Ironmönch Kulmbach 1998 Programmheft
Dementsprechend war auch das Schwimmen auf schneller Strecke, damals noch mit 3-maliger Unterschreitung der Brücke, bescheiden. Ich kann mich auch noch erinnern, dass einige Leute im Frühnebel die Strecke noch schneller machten, indem sie einfach ein paar Bojen „übersahen“. Da in meiner Erziehung irgendwas schief gelaufen war, schwamm ich trotzdem den regulären Kurs, auch wenn ich dadurch wohl den Anschluss an so manche Gruppe verlor. Aber damals regte ich mich noch nicht so sehr darüber auf, schließlich hatte ich noch keine Ahnung, dass auch Abkürzen eine beliebte Disziplin von „cleveren“Triathleten ist und auch selten bis nie geahndet wird.
Ich also raus aus dem Wasser und mir so richtig Zeit gelassen, gemütlich die Riegel und Ersatzschlauch und Montagehebel ins Top gesteckt und mit den Radschuhen losgewackelt. Damals hatte ich auch noch so richtig Gleichgewichtsstörungen und immer Probleme beim Anfahren, das hat sich mit den Jahren aber gegeben, Ursache ist vermutlich nur mein nachlassendes Tempo und die oftmals mangelnde Ausbelastung im Wettkampf. Als ich dann endlich losfuhr hörte ich gerade noch die Rufe „die Montierhebel, die Montierhebel!“. Zuerst war ich etwas verwirrt, Montierhebel? Klar mangelnde Hirndurchblutung, aber dann bin ich doch noch mal zurückgefahren und irgendwer reichte mir dann auch die Hebel.
Radfahren war so, wie ich’s geplant hatte, etwa dasselbe Tempo wie auf der Mitteldistanz, nur halt 180km durchziehen. Da ich relativ weit hinten war nach dem Schwimmen, hab‘ ich dann, nach meiner Erinnerung, auch nur überholt. Bei km50 bissen sich 2 Jungs an meinem Hinterrad fest, aber ich war mir sehr sicher, daß sie das Tempo auf nicht ganz einfacher Strecke nicht lang würden mitgehen können. So war’s dann auch, ab km150 bekam ich jedoch auch schwere Probleme und mußte ziemlich knautschen und verlor über 2min je 10km.
Ironmönch Kulmbach 1999 Peter Schneider
Foto von 1999, aber das Bike-Setup 1998 war identisch, man beachte die elegante Befestigung der Luftpumpe.
In der Wechselzone fragte ich dann einen Helfer, und der meinte dann, daß ich so 13. oder 14. sein müßte. „Genial“, dachte ich und lief los. Es ging auch ganz gut, glaube ich, aber bei km7 war ich dann körperlich am Ende, keinerlei Kniehub mehr möglich. Und ab da brachte mich dann der letzte Teil meiner ausgeklügelten Rennstrategie ins Ziel.
1998 08 15 IronMoench Ergebnisse
Ironmönch Kulmbach 1998 Ergebnisse
Meine Rennstrategie?
„Ich ziehe beim Schwimmen durch, keine Hektik beim Wechsel, dann auf dem Rad alles reinlegen was drin ist, und beim Laufen wird mich der Wille ins Ziel tragen.“ Ein Kollege, der bei der Mitteldistanz in Münster noch klar schneller geschwommen, geradelt und gelaufen war, bezweifelte meine Strategie etwas. Er schwamm dann auch schneller, aber auf dem Rad war ich 20min besser und auch beim Laufen war ich sogar etwas schneller.
Ernährung: 4 Riegel auf der Radstrecke, ab km8 der Laufstrecke nur noch Cola. Unterwegs kam mir dann auch noch der Gedanke, dass es vielleicht doch etwas härteres gibt als Radrennen. 9:14:01h (0:55-4:57-3:21), 20. Gesamt und 8. in der AK, ich denke, es war okay.
Medaille DM Kulmbach 1998
Medaille DM Kulmbach 1998

Der Knaller war dann noch der 3.Platz in der Mannschaftswertung mit Claudius Pyrlik und Martin Zülch von Trias Kassel. Letzterer meinte dann auch beim Betrachten der Ergebnisliste zu mir: „Du bist ein Talent!“, woraufhin ich erwiderte:„Talent? Das war alles harte Arbeit!“