Triathlon Coaching: Die Grenzen der Periodisierung

Heute morgen stand ich auf der Withings-Waage, die zeigt mir auch das Wetter an. Braucht man so etwas? Auf jeden Fall 12-14 Grad heute, Regen, nochmal schlechter als vorhergesagt. Zum Glück haben meine Athleten ein ausgiebiges Trainingswochenende hinter sich, dachte ich.

Das soll es auch anders geben, denn scheinbar spielt das Wetter in vielen Trainingsplänen keine Rolle, da wird die Periodisierung eingehalten, egal was kommt.

Im Januar geht es immer steil bergab

Nun gibt es gewisse Wetterphänome, die sich oftmals jährlich wiederholen, auf die man sich einstellen kann. Z. B. der Wärmeeinbruch eine Woche vor Weihnachten, wo es dann noch einmal zweistellige Temperaturen hat oder ein Temperatureinbruch und eine hohe Gewitterwahrscheinlichkeit im Juni.

Mich hatte es schon immer gestört, wenn die Jahrestrainingsplanung einen ansteigenden Trainingsumfang im Januar und Februar gefordert hat, denn das Wetter ist, egal wie es kommt, immer schlechter als im Dezember, aus meiner Sicht entscheidend schlechter. Aber um die Rahmentrainingsplanung, den „Makrozyklus“, soll es hier nicht gehen.

Trainingslager im Winter/Frühjahr: Den Satz Laufräder einsparen, dafür Mallorca!

Im Endeffekt bleibt das Wetter unkalkulierbar, fest steht aber: Bei uns kann sich die Sonne auch schon mal für mehrere Wochen verabschieden und auf Mallorca wird die Sonne fast immer schnell wieder scheinen. Oder anders ausgedrückt: egal, wie das Wetter auf Mallorca ist, es ist immer besser als daheim!

Nur ein Grund, im Frühjahr die Sachen zu packen. Ab Mitte März ist die Wetterlage auf Mallorca so stabil, dass man auch mal einen 2-wöchigen Trainingsplan abspulen kann.

Davor ist das aber selbst auf Mallorca oft nicht möglich. Als Radrennfahrer sind die Ausweichmöglichkeiten begrenzt, d. h. wenn es regnet wird trotzdem gefahren und oft geht das auch. Aber auch da ist es sinnvoll, einen 3-er-Block mal auf 4 Tage auszudehnen oder auf 2 zu verkürzen.

Der stabilere Rhythmus bei Radrennfahrern sorgt letztlich auch dafür, dass man im Rennen mit schlechteren Bedingungen umgehen kann. Beim Triathlon hat man da schon andere Dinge gesehen. Als beim Ironman Frankfurt 2012 und insbesondere 2011 das Wetter nicht so toll war, war die Quote an Aussteigern aufgrund unangepasster Kleidung wesentlich höher als normal. Viele hatten offensichtlich noch nie im Regen trainiert und wussten daher nicht, dass man bei den vorhergesagten 15 Grad und Regen nur als Spitzenathlet noch mit der angedachten Rennkleidung an den Start gehen  konnte.

Dennoch muss und sollte man als Triathlet nicht stumpf weitertrainieren, denn es gibt ja Alternativen:

Klar ist aber: je höher die Ambitionen, desto eher muss man auch mal bei Dunkelheit, Nebel, Regen, Schnee trainieren.

Wir sind hier nicht in Kalifornien

Auch wenn die Wetterdienste das Wetter oft für 4, 8 oder 16 Tage vorhersagen: das ist reine Statistik! Seriös lässt sich das Wetter nur für 3 Tage vorhersagen und das gilt insbesondere für Deutschland. Dass man mit einer Wettervorhersage für Mallorca im Juni weniger Probleme hat, dürfte klar sein, bekommt auch der Laie hin.

Die letzten Tage war ich intensiv mit der neuen Preisgestaltung für das Triathlon Coaching befasst. Da galt es u. a. 2 Dinge zu verbinden:

  • Den Anspruch des Athleten nach Planungssicherheit, da würde sich ein Plan über 4 Wochen anbieten.
  • Das Eingehen auf das individuelle Zeitbudget, auf besondere Anlässe, auf kurzfristige Terminänderungen, auf kurzfristig wechselnde Arbeitszeiten

Beim Coaching von PS-Sports.de kommt jetzt noch das Wetter hinzu, d. h. ich habe sogar überlegt, eine Planung nur für 3 Tage im Voraus bzw. eine day-to-day-Trainingsplanung anzubieten, da kann man das Wetter noch besser einkalkulieren. Auch hier gilt: je höher die Ziele, desto enger wird der Zeitplan des Athleten, desto komplizierter wird aber auch die Planung.

Trainingspläne mit 6h Training bei Bedingungen wie heute wird es bei mir nicht geben. Bei einer Woche kann die Wetterentwicklung noch halbwegs abgeschätzt werden, bei 4 Wochen ist das unmöglich. Das ist der Grund, warum es diese Pläne nicht gibt.

In unseren Breitengraden muss man mit dem Wetter trainieren, nicht gegen das Wetter.

Aktuell war daher klar, dass am vergangenen Wochenende nochmal umfangreich und lang trainiert werden musste. Wer meint, mit einer stumpfen 3:1- Wochenperiodisierung trainieren zu müssen, der soll das machen. Viel Spaß, wenn in der Entlastungswoche ruhiges Hochdruckwetter gemeldet ist, in der darauf folgenden Belastungswoche 15 Grad, Dauerregen und Windstärke 5.

Das Prinzip von Belastung und Entlastung ist ja unumstritten und der Superkompensationseffekt kann nur durch Erholung erzielt werden. Das kann man aber auch anders machen. Was spricht denn gegen eine Periodisierung von 10 Tagen Belastung, 3-4 Tagen Entlastung? Gar nichts, der Wochenrhythmus wird aus meiner Sicht nur deshalb genommen, weil er sich so wunderbar eintragen lässt. Die Gefahr, sich „in den Keller zu trainieren“ , ist bei einer 3-wöchigen Belastung auch höher, logisch.

Bei PS-Sports.de wird aus den genannten Gründen das Wetter bei jedem Plan mit einkalkuliert, vielleicht auch nur deshalb, weil ich selbst noch trainiere und daher weiß, dass die Theorie sich oftmals nicht wirklich in die Praxis umsetzen lässt:

4 Stunden bei beinharten Bedingungen zu fahren ist kein besseres Training als 4 Stunden bei angenehmen Temperaturen zu pedalieren, das Gegenteil ist der Fall. Steigende Infektanfälligkeit, schlechte Laune, hormonelle Schieflage, erhöhte Defektgefahr, erhöhter Wartungsaufwand, erhöhter Materialverschleiß, erhöhte Sturzgefahr, nasse Klamotten in der Wohnung etc..

Und das Wichtigste: man wird mental deutlich mehr gefordert, das kann man positiv als Willensschulung verkaufen. Aber auch die mentale Energie ist nicht ohne Ende vorhanden und auch damit muss man haushalten.

Dass oftmals auch im absoluten Spitzenbereich nicht anders agiert wird zeigt folgende Aussage eines  mehrfachen Hawaii-Champions: „Ich bin morgens aufgestanden, habe gefrühstückt, dann aus dem Fenster gesehen – dann haben wir entschieden, was zu tun ist!“

PS-Sports.de: …mehr als ein Plan…

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