Triathlon-Trainingspläne selbst schreiben, Teil 1: „Jupp Heynckes“

Um mich bei vielen gleich mal unbeliebt zu machen: Ich mag die Bayern nicht, nie gemocht. Mein Herz schlägt seit diesem Hit für einen ganz anderen Verein:

Okay, aktueller Stand ist, die Bayern haben die meiste Kohle, daher die besten Spieler, der Erfolg ist zwangsläufig, Geld schießt Tore, keine Frage. Aber es gibt Unterschiede. Seit „Don Jupp“ wieder da ist, spielen die Bayern wesentlich erfolgreicher, und, dem Vernehmen nach, auch wesentlich besser. Ich verfolge Fußball nicht wirklich intensiv, aber bis auf die Anfangszeit als Trainer bei Mönchengladbach und einigen Misserfolgen mittendrin hat der Jupp als Spieler mit 222 Bundesliga-Toren und als Trainer so ziemlich alles abgeräumt.

Trotz allem ist zu vermuten, dass der Jupp mit dem HSV die Champions League nicht gewonnen hätte, Wunder vollbringen kann er wie alle anderen auch nicht, er kann nicht alles, er weiß aber, wie es mit den Bayern geht!

Nun gibt es genug Fußball-Fans, die jeden Tag die Bild , den Kicker lesen, sämtliche Sendungen sehen, Statistiken lesen, die Taktik der Teams analysieren, die damit schon mal deutlich mehr Ahnung haben als der Normalverbraucher. Würde da jemand auf die Idee kommen, er könne die Bayern genauso gut trainieren wie Jupp Heynckes, er hätte das Wissen und die Fähigkeiten eines Jupp Heynckes? Nein, natürlich nicht….hmm, oder vielleicht doch?

Trainingspläne selbst schreiben

Seit Januar coache ich einen Athleten, da ist er mir auch sicher nicht böse, wenn ich das schildere. Er trat Mitte November mit folgendem Problem: an mich heran  “ Ich habe mir lange Gedanken gemacht und die Triathlon Bibel von Joe Friel gelesen in der Hoffnung Trainingspläne selber zur gestalten. Allerdings ist mir der Zeitaufwand einfach zu groß. Die Zeit benötige ich zum Training. „

Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass er sich an mich gewandt hat und die Zeitersparnis ist genau ein Punkt, mit dem ich auch werbe. Warum sollte man sich das antun, wenn man für jede Menge andere Dienstleistungen auch Hilfe in Anspruch nimmt?
Sollte man sich vielleicht von der Lebensgefährtin die Haare schneiden lassen, die das noch nie gemacht hat, sonst vielleicht Immobilienmaklerin ist? Die wird ein Vielfaches an Zeit dafür aufwenden, das Problem ist aber viel größer. Die Partnerin wird es niemals so hinbekommen wie derjenige, der das sein Leben lang macht, der tausend verschiedene Fälle bearbeitet hat und einem auch knallhart sagen kann: „Vergiss es, bei deiner Kopfform steht dir ein Vokuhila einfach nicht!“ 
Es gibt also 2 Probleme:
  • die Zeit
  • das Ergebnis

Dass es dabei Unterschiede zwischen dem Starfrisör und der 5-min-Bearbeitung im Haarschneidediscount mit der Schermaschine um die Ecke gibt ist auch klar, auch dass einem das Ergebnis des 65€-Frisörs nicht wirklich besser gefallen muss. Dass es mitunter schwierig ist, einen guten Frisör zu finden auch, unstrittig ist aber, dass es einfach Leute gibt, die das besser, wesentlich schneller und von außen betrachten können. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, man sieht besser aus, die Partnerin kann in der Zeit an einem Hausverkauf weiterarbeiten, der Frisör ist auch glücklich, Danke für das Vertrauen!

„Ohne deine Trainingspläne hätte ich niemals so eine Zeit hingelegt!“

Wie andere auch hat mein Athlet durch diese Vorkenntnisse eine gewisse Vorstellung gehabt, wie das Coaching laufen soll, was an diesem und jeden Tag zu trainieren ist, was sinnvoll ist, typisches Beispiel ist da die Periodisierung.

Dass Training nur wirken kann, wenn man sich danach auch erholen kann ist schon Allgemeinwissen, aber warum muss das denn bei jedem Athleten im 3:1-Wochenrhythmus erfolgen?

Es erfordert also erst mal Überzeugungsarbeit und Vertrauen von Seiten des Athleten, Dinge zu tun, die man noch nirgends gelesen hat, die man daher anzweifelt, nicht für richtig hält.

Mein Athlet hat sicher öfter mal gezweifelt, zuletzt 4 Tage vorm 1. Rennen, mir dann aber nach dem Halbmarathon gestern geschrieben: „Ohne deine Trainingspläne hätte ich niemals so eine Zeit hingelegt!“Okay, vielleicht im Überschwang des Erfolges, aber man beachte das Wort niemals…

Wer besser sein will, der muss etwas anders machen!

Anderes Beispiel, Frank wurde von mir in einer Crash-Vorbereitung auf sein 1. und einziges Rennen über die Triathlon-Langdistanz vorbereitet: „Trainieren wollte ich so etwa 8 – 11 Stunden.“ Ich kann es verraten, er hat wesentlich mehr trainiert.
Frank hat das Rennen nicht nur erfolgreich absolviert, sondern etwas geschafft, was es im Langdistanz-Triathlon eigentlich nicht gibt, ein perfektes Rennen.

Nach dem Rennen sagte er dann zu mir: „Ich habe deswegen nur 8-11 Stunden angegeben, weil ich dachte, dass nicht mehr geht, mein Körper nicht mehr verkraften kann.“

Eine Vorbereitung wie diese findet man in keinem Buch. Im Buch hätte gestanden: „…mach bitte dieses Jahr noch eine Mitteldistanz und bereite Dich dann wie alle anderen vor“. In dem Fall wäre er vermutlich da gelandet, wo diese anderen auch landen, nämlich irgendwo im Mittelfeld und nicht auf dem 4. Platz Gesamt. Wer besser sein will, der muss etwas anders machen!

  Bei meinem Coaching verspreche ich nicht wesentlich mehr Leistung mit weniger Training, ich bin kein Wunderheiler!

Klar gibt es eine Menge blödsinnige Sachen, die trainiert werden. Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass Training immer wirkt. Die entscheidende Frage im Triathlon-Training ist aber nicht: Bringt das was? Die entscheidende Frage ist: Ist das Training effektiv genug oder gibt es in diesem Moment nicht Dinge, die noch deutlich mehr bringen könnten?

Man muss kein Talent haben, um einen Triathlon absolvieren zu können, auch nicht für einen Ironman, auch nicht für die Hawaii-Quali.

Was man braucht, sind in erster Linie 2 Dinge:
  • den Willen
  • ein gutes Zeitmanagement

Daher ist Zeitmanagement in meinem Coaching auch immer wieder ein Thema, nur, in welchem Trainerlehrgang wird das denn gelehrt? Es gibt Dinge, die lernt man nicht durch das Triathlonmagazin, nicht über Facebook, nicht auf der Trainerfortbildung und auch nicht auf der Sport-Uni!

Warum jeder Fall anders liegt und es kaum möglich ist, nach Schema F vorzugehen, dazu in den nächsten Tagen im 2. Teil: „Ich war jung und brauchte das Geld!“

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